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Steine schichten für die Reben und ein seltenes Reptil
Zivildienstleistende bauen in Feldbach Trockenmauern für Schlingnattern und Pflanzen
flo. Schöner kann ein Rebberg nicht liegen. Das Hombrechtiker Gebiet Gamsten westlich des Bahnhofs Feldbach mit Blick auf Schloss Rapperswil und den Zürichsee mitsamt den Inseln Ufenau und Lützelau ist auch ein wertvoller Lebensraum für Reptilien. Die Südlage, Hecke und Nagelfluh-Bänder bieten der im Raum Zürich seltenen Schlingnatter gute Lebensbedingungen, und ihr Nahrungsbedarf ist mit Eidechsen und Blindschleichen abgedeckt. Wie der Agronom Erwin Schüpbach dazu erklärt, sollen im Rahmen des Naturnetzes Pfannenstiel bestehende Standorte gezielt aufgewertet und besser miteinander vernetzt werden.
Im Rebberg Gamsten bauen Zivildienstleistende Trockenmauern mit eher chaotischer Struktur. Se könnten auch anders, aber sie dürfen und wollen nicht. Die grobe Feinstruktur der Mauern bietet Nischen und Vorsprünge in allen möglichen Expositionen, so dass Schlingnattern und andere Tiere bei unterschiedlichstem Sonnenstand noch ein warmes Plätzchen finden. Heimisch sind hier auch Igel, Kröten und Bergmolche.
Schüpbach hat in der Frühlingssonne Wellblechstücke ausgelegt in der Hoffnung, dass sich eine Schlingnatter darunter wärmt. Vorsichtig hebt er die Bleche der Reihe nach auf. Zuerst ein paar Blindversuche - lauter nichts oder höchstens einmal eine träge Blindschleiche - und dann ein voller Erfolg: Eine Schlingnatter züngelt ihren Beobachtern entgegen, um dann lautlos in eine Ritze der frischen Trockenmauer zu gleiten. Jetzt habe er endlich seinen wahren Auftraggeber gesehen, kommentiert Andreas Cassee den kurzen Auftritt des Reptils. Der Philosophiestudent gehört zu einem Team, das im Gamsten einen Teil seines Zivildienstes leistet.
Der Stäfner Rebbauer August Pünter baut im Gamsten Blauburgunder, Pinot gris und Regent an. Mit Naturnetz Pfannenstiel hat er eine Vereinbarung getroffen, die beiden Seiten Kompromisse auferlegt. So achten die Naturschützer im querterrassierten Rebberg auf tragfähige Mauerkonstruktionen und ausreichend breite Wege für den Rebtraktor. Im Gegenzug verpflichtet sich Pünter zum Beispiel, gewisse Flächen nur in zeitlicher Staffelung zu mähen. Er leiste gerne seinen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt, sagt Pünter, denn die Freude an der Natur sei in seinem Beruf eine Selbstverständlichkeit.
Neue Zürcher Zeitung - Samstag, 19. April 2008 - Text: Florian Sorg - Bild: Karin Hofer/NZZ
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